QUASIE-Projekt und SAVe

Aus dem 23. Flüchtlingsbericht der Stadt Stuttgart (Referat Soziales, Jugend und Gesundheit):

EU-Projekt „QUASIE“
„QUASIE“ ist ein EQUAL-Projekt, angesiedelt beim Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA). Das Projekt steht auf zwei „Grundpfeilern“: Antidiskriminierung und Arbeitsmarktpolitik.
Mit „QUASIE“ sollten benachteiligte Zielgruppen (Asylbewerber und geduldete Flüchtlinge) bessere Chancen beim Zugang zum Arbeitsmarkt erwerben. Wenn unter Integration im Wesentlichen die gesellschaftliche Partizipation von Migranten verstanden werden soll, dann spielen

* Spracherwerb,
* Kenntnisse von Kultur und Struktur des Aufnahmelandes,
* Begegnungen mit Einheimischen und anderen Zugewanderten und
* die Eingliederung in den Arbeitsmarkt
eine tragende Rolle.

Die Eingliederung in den Arbeitsmarkt erfordert schulische und berufliche Qualifizierung. Deshalb war ein Anliegen von „QUASIE“, die Potentiale von Flüchtlingen herauszuarbeiten (Kompetenzanalyse, Empowerment). Insbesondere für junge Migranten wurden Wege der schulischen (Weiter-)Bildung gesucht, um damit die Grundlage zu schaffen für Ausbildung und Studium – in Deutschland oder im Herkunftsland.
Einen weiteren wichtigen formalen Schritt stellt die Dokumentation und Anerkennung bereits vorhandener schulischer und beruflicher Abschlüsse dar. Ein Beispiel: Ein Teilnehmer bzw. eine Teilnehmerin hat im Heimatland das Abitur bestanden. Diese Abschlüsse wurden hier vom Oberschulamt als Realschulabschluss gewertet. Der schulische Abschluss ist eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Bewerbung. Der Teilnehmer bewarb sich um einen Ausbildungsplatz als Heizungsbauer, die Teilnehmerin um einen solchen als Krankenschwester. Der vom Oberschulamt anerkannte Realschulabschluss bildet für diese beiden Bewerber die Basis für Zusatzunterricht an der Berufsschule und ist Grundvoraussetzung für den Abschluss der Fachhochschulreife.
Was von Seiten der Migranten immer wieder beklagt wird, ist der mangelnde Kontakt zu Deutschen: Sprachkenntnisse zu erwerben ist ein Teil. Es muss aber auch die Möglichkeit bestehen, diese anzuwenden. Besonders leicht fällt die Kontaktaufnahme am Arbeitsplatz: In der Zusammenarbeit mit Kollegen fällt die Kommunikation leichter. Die Chance, interkulturelle Kompetenz zu erwerben, ist hierbei durchaus für beide Seiten gegeben. Was uns von fast allen Arbeitgebern, die Praktika vergeben haben, zurückgemeldet wurde, war die Erkenntnis, eigentlich gar nichts über das eigene nationale Ausländergesetz (jetzt Aufenthaltsgesetz) und die Situation von Asylbewerbern hier in Deutschland zu wissen. Auch die Situation in den jeweiligen Heimatländern der Asylbewerber war den meisten Arbeitgebern und Kollegen wenig bekannt.

Voraussichtlich werden bis zum Ende der Laufzeit des EU-Projekts „QUASIE“ (Juni 2005) in Stuttgart rund 700 Flüchtlinge an dem Projekt teilgenommen haben. Ca. 570 Personen durchliefen dann mindestens eine Deutschkursstufe mit ca. 60 Unterrichtseinheiten. Die Unterrichtsstruktur, an drei Tagen in der Woche in den Räumen der Volkshochschule Stuttgart (vhs), bot den Teilnehmern neben dem Erwerb von Deutschkenntnissen eine Tages- und Wochenstruktur. Außerdem öffneten diese Kurse den Teilnehmern den Zugang zu öffentlichen Räumen („Raus aus den Heimen hin zu Orten, die von „Allen“ besucht werden.“).

Die Teilnehmer erhielten Fahrausweise (u. a. Pass Orange Monatskarte), um ihre Praktika oder Sprachkurse besuchen zu können. Diese Fahrausweise konnten über das Projekt finanziert werden.
Von den an „QUASIE“ beteiligten Beschäftigungsunternehmen (Internationaler Bund und Neue Arbeit, Stuttgart) wurden verschiedene Qualifizierungsmaßnahmen angeboten, wie z. B. Computerkurse, ein Grundkurs für den Bereich Hotel- und Gastronomie, Elektrowerkstatt und -technik, aber auch ein Berufsorientierungskurs für Jugendliche und junge Erwachsene.
Ca. 50 Teilnehmer erhielten im Anschluss an die sprachliche und berufliche Qualifizierung eine intensive Beratung für das Bewerbungsverfahren am hiesigen Arbeitsmarkt (Erstellen eines Lebenslaufes, Verfassen eines Bewerbungsanschreibens, Zusammenstellen der Unterlagen, Telefontraining, u. a.).

Wertet man die Daten im Hinblick auf die Aufnahme einer Beschäftigung aus, ergibt sich folgendes Bild: Ca. 34 % der Teilnehmer nahmen im Verlauf des Projektes eine Beschäftigung auf. Ein Drittel davon in Vollzeit. Die anderen nahmen Teilzeitbeschäftigungen oder geringfügige Beschäftigungen an. Die Arbeitsmarktsituation in Stuttgart verschlechterte sich während der dreijährigen Dauer des Projektes gravierend. Flüchtlinge fanden, unabhängig von ihrer Ausbildung oder Berufserfahrung, nur noch in den Bereichen Gastronomie und im Reinigungsgewerbe Arbeitsmöglichkeiten. Erschwerend kam hinzu, dass für andere Arbeitsfelder kaum Arbeitserlaubnisse erteilt werden konnten.

Vermittlung von Asylbewerbern in den ersten Arbeitsmarkt über den Arbeitsvermittlungsservice Stuttgart (SAVe)
Um die Teilnehmer des EU-Projektes „QUASIE“ bei ihrer Arbeitsplatzsuche zu unterstützen, stimmten die gemeinderätlichen Gremien mit der GRDrs 431/2003 einem einjährigen „Vermittlungsprobelauf“ von Asylbewerbern durch SAVe zu. Die Vermittlung von Asylbewerbern gestaltete sich schwierig, da es besondere Bedingungen zu berücksichtigen galt – wie z. B. kein Zugang zu notwendigen Qualifizierungsmaßnahmen, Residenzpflicht, kurze Phasen der Aufenthaltsgestattung bzw. Duldung etc. Zudem wirkte sich die Verschlechterung der Arbeitsmarktsituation auch und ganz besonders auf die Gruppe der nicht oder noch nicht bleibeberechtigten Flüchtlinge aus.

Unter Berücksichtigung der vereinbarten Zugangskriterien (gute Deutschkenntnisse, mindestens 18 Monate Aufenthalt in Deutschland) wurden im Zeitraum 1. August 2003 bis 1. Dezember 2004 22 Personen von „QUASIE“ an SAVe vermittelt.
Zwei Personen wurden von SAVe in eine Vollzeitstelle (Hotelbereich) vermittelt. Zwei Klienten fanden in dieser Zeit selbst eine Vollzeitstelle. Drei Teilnehmer brachen aus persönlichen Gründen den Vermittlungsprozess ab. Eine Person wurde abgeschoben. Für die übrigen 14 Personen kam es zu keiner erfolgreichen Vermittlung; u. a., weil die erforderliche Arbeitserlaubnis nicht erteilt wurde bzw. die Flüchtlinge durch einen Statuswechsel einen anderen Zugang zum Arbeitsmarkt erhielten.
Der Projektversuch wurde zum Jahresende 2004 beendet, da die Tätigkeiten von SAVe im Zuge der Hartz-IV-Reformen auf die JobCenter in Stuttgart übergingen.

Aus dem Amtsblatt Online vom 23.07.2003:

Flüchtlinge und Sozialamt profitieren vom EU-Projekt „Quasie“
„Bisher haben sich über 400 Frauen und Männer im Stuttgarter ‚Quasie‘-Büro beraten lassen, fast 300 haben Sprachkurse besucht, ein gutes Dutzend hat schon eine Arbeit gefunden. Mehr als 20 Flüchtlinge bereiten sich derzeit in Qualifizierungsmaßnahmen auf eine künftige Erwerbstätigkeit vor.“ Das war die erste Bilanz von Sozialbürgermeisterin Gabriele Müller-Trimbusch bei der Veranstaltung zugunsten des EU-Projekts „Quasie“ am 22. Juli im Theaterhaus Stuttgart. Mit dem auf dem EU-Gemeinschaftsprojekt „Equal“ basierenden Ausbildungs- und Qualifizierungsprojekt „Quasie“ soll die Herstellung, Wiederherstellung beziehungsweise die Erweiterung der Berufstätigkeit von Asylbewerberinnen und -bewerbern gefördert werden.

Die Sozialbürgermeisterin sieht für alle Seiten einen Vorteil in diesem Programm: „Einerseits wird den Flüchtlingen ein Weg aus dem durch die erzwungene Untätigkeit meist wenig abwechslungsreichen Alltag in den Asylbewerberunterkünften geboten. Sie können so ihre eigene Leistungsstärke wieder aufbauen und gewinnen die Perspektive, finanziell wieder auf eigenen Füßen zu stehen.“ Aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialamts vor Ort in den Flüchtlingsunterkünften und in den Sozialhilfedienststellen profitieren nach Auffassung der Bürgermeisterin direkt von den „Quasie“-Aktivitäten. Es sind die besseren Kommunikationsmöglichkeiten, die die Arbeit mit den Flüchtlingen häufig erleichtern. Wo vorher zum Beispiel bei Neuzuzügen in die Flüchtlingsheime mangels deutscher Sprachkenntnisse eine erfolgreiche Verständigung nur sehr eingeschränkt möglich war, findet sich heute immer ein Flüchtling aus dem jeweiligen Herkunftsland, der bei „Quasie“ so gut Deutsch gelernt hat, dass er als Dolmetscher einspringen und somit die Heimleitung unterstützen kann.

Beschreibung des Vereins zur beruflichen Integration und Qualifizierung e.V. (VbI) Heidelberg:

“Quasie – Qualifikation of Asylum seekers in Europe”
Asylbewerber und Flüchtlinge erhielten mit Hilfe von Quasie Angebote zur Qualifizierung in den Bereichen Sprache und berufliche Bildung. Außerdem konnten sie bei der Suche und Vermittlung von Praktika und Arbeitsplätzen unterstützt werden.
Quasie war ein Projekt im Rahmen der EU-Gemeinschaftsinitiative Equal. Es hatte das Ziel, die berufliche und soziale Integration von Asylbewerbern zu fördern. Gleichzeitig sollten Diskriminierungen und Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt bekämpft werden.

Insgesamt nahmen an dem Projekt 10 Partner teil, vor allem im Raum Stuttgart/Nürtingen. Direkter Projektpartner war im Heidelberger Raum die Volkshochschule Heidelberg, welche Sprach– und Qualifizierungskurse durchführte. Außerdem arbeiteten im regionalen Zusammenhang der Asylarbeitskreis und das Mädchenhaus mit.
Dazu kamen viele strategische Partner wie die Asylstelle der Stadt Heidelberg, das Landratsamt, die Agentur für Arbeit, das Diakonische Werk, aber auch Praktikumsbetriebe, viele Ehrenamtliche und weitere Verbände. Der VbI war ein Teilprojektpartner mit einem speziellen Angebot. Schwerpunkt war die Unterstützung der Teilnehmer bei der Integration in den Arbeitsmarkt.
Das Angebot umfasste zum Beispiel
* Vermittlung von Praktika und Arbeitsgelegenheiten
* Erarbeitung von Ausbildungs- und Berufsperspektiven
* Vermittlung von betrieblichen Qualifikationen
* Hilfe bei der Beantragung einer Arbeitserlaubnis
* Unterstützung bei der Stellensuche
* Überarbeitung von Bewerbungsunterlagen
* Hilfe bei der Anerkennung von Zeugnissen und Dokumenten