Haushaltsarbeit

Migrantische Haushalts- und Pflegehilfen, die ohne Arbeits- oder Aufenthaltserlaubnis in deutschen Haushalten arbeiten, wurden in den Medien mittlerweile viel diskutiert. Häufig werden dabei etwas verkürzt die sklavenartigen Verhältnisse in deutschen Haushalten unter der Verwaltung deutscher Karrierefrauen skandalisiert.
Fakt ist, dass Haus- und Versorgungsarbeiten anfallen, während staatliche Versorgungssysteme immer weniger den bestehenden Bedarf decken und der Gewährleistung dieser gesellschaftlich wichtigen Arbeit nicht nachkommen. Aufgrund des Mangels an kostengünstigen Möglichkeiten der Unterbringung von pflegebedürftigen Personen und Betreuung von Kindern wird nach kostengünstigeren Alternativen für die anfallenden Versorgungsarbeiten gesucht. Migrantische Frauen bieten deutschen Haushalten hier eine nützliche und vor allem billige Möglichkeit, den Bedarf an Versorgungs- und auch Putz- und anderen Hausarbeiten zu decken und mit der eigenen Berufstätigkeit und finanziellen Möglichkeiten der Familienmitglieder zu vereinbaren. Zugleich ermöglichen sie es, den Wunsch nach Selbstverwirklichung und „sinnvoll“ ausgenutzter freier Zeit, zu der meist nicht die Hausarbeit gezählt wird, zu entsprechen.
Nach gegenwärtiger Forschung (Helma Lutz/ Hess/ Karakayali) arbeiten viele migrantische Frauen in diesem Bereich. Im Allgeminen wird anfallende Hausarbeit nicht gleich unter Männern und Frauen aufgeteilt, sondern, meist noch den traditionellen Geschlechterrollen entsprechend, von Frauen verwaltet, die auch bei Berufstätigkeit für Familien- und Haushaltsarbeit zuständig sind und diese Arbeit dann an migrantische Frauen weiterdelegieren. Migrantische Haushaltsarbeiterinnen sind oft Frauen mit höherer Schulbildung oder qualifizierter Berufsausbildung, was von Vorteil für die arbeitgebenden Haushalte sein kann, da die Angestellten sich so schneller in den Gepflogenheiten der deutschen Mittelschichtsfamilien auskennen. Viele Haushalte spekulieren zusätzlich darauf, mit der Beschäftigung einer ausländischen Haushalskraft die eigenen Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern oder sich selbst ein kosmopolitisches Flair zu geben.
Die Haushaltsarbeiterinnen greifen häufig auf solche Tätigkeiten als Verdienstmöglichkeit zurück, da Privathaushalte weniger Kontrollen unterliegen, sie diese Arbeiten verrichten können, eventuell Erfahrung haben, z.B. was die Kindererziehung angehlt und gerade häusliche Arbeit auch einfach mit der eigenen Geschlechtsidentität vereinbar ist. Meist können sie nicht in den Berufen arbeiten, die ihren Qualifikationen entsprechenden, da sie nicht über Arbeits- oder Aufenthaltspapiere verfügen oder ihre Abschlüsse in Deutschland nicht anerkannt werden.
Eine Studentin, die aufgrund eines Studienfachwechsels ihre Arbeitserlaubnis verlor, erzählte uns, zuvor hätte sie in den Semesterferien immer legal in der Industrie als Ferienjobberin gearbeitet und zwischendurch als Bedienung in Gaststätten. „Richtig gearbeitet“ hätte sie, „soviel es ging, weil legal arbeiten ist besser“. Das Studium und den Lebensunterhalt hat sie sich immer selber finanziert. Seitdem sie ihre Arbeitserlaubnis verloren hat, geht sie in Haushalten putzen und hat große Angst davor, entdeckt zu werden. Für Arbeiten, die ihren Qualifikationen entsprechen, hätte es durchaus Möglichkeiten und Angebote gegeben, doch die konnte sie wegen der fehlenden Arbeitserlaubnis nicht annehmen. Sie verheimlicht, dass sie keine Arbeitserlaubnis hat, erzählt dies nicht einmal ihren Freunden und Bekannten. Wenn ihr Tips für Jobs gegeben wurden, hat sie diese immer notiert, damit den Leuten nichts auffällt. Nun hofft sie, nach ihrem Abschluss eine legale Anstellung zu finden, in ihrem Beruf arbeiten zu können und nicht mehr putzen gehen zu müssen.

„Ich respektiere Hausarbeit und die Leute die das dauernd machen, weil ich weiß, wie hart das ist. Aber ich habe andere Pläne und Träume. Warum habe ich soviel studiert, so viele Nächte nicht geschlafen? Nicht um den Besen in die Hand zu nehmen. die Arbeit bringt nicht weiter, sie macht nur fertig und müde.“

Das Putzen sieht sie nur als Notlösung, da sie zur Zeit keine andere Möglichkeit hat, Geld zu verdienen. Zwar hat sie große Angst davor, entdeckt zu werden, aber so zu arbeiten sei in Ordnung, das schade schließlich niemandem. Dass es nicht nur für den Arbeitgeber, sondern auch für diese Gesellschaft eine wichtige Arbeit ist, sollte ihrer Meinung nach von der Gesellschaft die entpsrechende Anerkennung finden und geschätzt werden.

Zu den Arbeitsbedingungen

Verschiedenen Berichten (Heubach/ Lutz) und auch unseren Erfahrungen zufolge haben Haushaltsarbeiterinnen häufig mehrere Stellen gleichzeitig, um genügend zu verdienen. Dies bedeutet auch einen Mehraufwand aufgrund der Koordination der verschiedenen Stellen und der Notwendigkeit, zwischen diesen hin und her zu fahren. Der Tätigkeitsbereich kann sehr weitreichend sein: Es geht über Reinigungsarbeiten, Waschen, Bügeln, Kochen, Gartenarbeit, Kinderversorgung und Besorgungen machen bis hin zur Pflege von alten Menschen. Häufig scheint gerade die Begrenzung der Arbeitsinhalte (welchen Arbeiten dazugehören und deren richtige Ausführung) problematisch zu werden und für Unsicherheit zu sorgen (Lutz/Heubach).
Eine Frau berichtete uns von einer Vertretung, die sie für eine Freundin gemacht hatte, welche sie sehr anstrengend fand. Die Vertretung fand bei einer Frau statt, die in einem „großen Haus mit empfindlichem Material“ lebte und pedantisch war. Es gab dort für jeden Raum und manche Gegenstände besondere Lappen. Nach dem Putzen musste alles wieder genauso angeordnet sein, wie es zuvor dastand. Die Frau hat ihr bei der Arbeit auf die Finger geguckt und die ganze Zeit geschumpfen.
Wenn eine Familie in den Urlaub fährt oder die Haushaltsarbeiterin nicht arbeiten kann, z.B. weil sie krank ist, bedeutet dies meist einen Verdienstausfall, der irgendwie kompensiert werden muss. Es sei daher für sie immer unsicher, ob im nächsten Monat genügend Geld vorhanden sei, um die eigenen Lebenskosten zu decken, wurde uns von einer Frau berichtet. Wenn es die Möglichkeit gibt, arbeitet sie noch mehr, übernimmt Vertretungen für Freundinnen. So kann man sich auch mal leisten, krank zu sein ohne gleich die Miete nicht zahlen zu können.
Im Krankheitsfall bietet dieser Arbeitsbereich jedoch grundsätzlich keinen Schutz, zur Genesung und Erholung zu Hause zu bleiben. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist in den informellen Arbeitsstellen im Haushalt sehr unüblich, krank sein kann in manchen Fällen sogar die Kündigung bedeuten.
Es wurde uns von einer Frau berichtet, die häusliche Intensivpflege betrieb. Nachdem sie einmal zehn Tage hintereinander je zwölf Stunden gearbeitet hatte, wurde sie krank, bekam Halluzinationen und wollte Urlaub nehmen (Krank schreiben lassen konnte sie sich nicht). Nachdem ihr gedroht wurde, sie bräuchte gar nicht wiederzukommen, wenn sie Urlaub mache, arbeitete die Frau krank weiter.
Die Abgrenzung zu den Arbeitgebern erweist sich gerade im Haushalt als schwierig, auch oder gerade dann, wenn das Verhältnis freundschaftlich ist. Über solche Beziehungen und eine große Dankbarkeit gegenüber den Arbeitgebern wurde uns mehrfach berichtet. Aber auch eher unpersönliche Arbeitgeber machen gelegentlich kleine Geschenke (z.B. ein Wörterbuch) oder – noch häufiger – bieten sie den Angestellten irgendwelche gebrauchten Gegenstände (Möbel, Schuhe, Kleidung,…) an, die sie ansonsten wegwerfen würden. Oft fühlen sich die Angestellten hierdurch dazu verpflichtet, mehr oder gründlicher zu arbeiten und tatsächlich besteht auch von Seite der Arbeitgeber tw. durchaus die Erwartung, dass die Haushaltshilfe wegen solcher Geschenke auch bereit sein müsse, auch kurzfristig einzuspringen oder von ihrer Seite aus ihr Aufgabenfeld zu erweitern.
Zwar bietet der Arbeitsort Haushalt für illegal Beschäftigte eine Verdienstmöglichkeit, die relativ geschützt vor Kontrollen ist. Live-Ins, Frauen die in einem Haushalt wohnen und arbeiten, finden durch ihr Arbeitsverhältnis zugleich eine Unterkunft. Am Arbeitsort zu wohnen bedeutet jedoch auch, ständig verfügbar zu sein und kann eine Entgrenzung der Arbeitszeiten und Aufgaben zur Folge haben.
Haushaltsarbeit findet im Vergleich zu anderen Arbeiten sehr isoliert statt, man arbeitet meist ohne Kollegen als einzige Person in diesem Haushalt. Das heißt, Verhandlungen über Lohn, Arbeitszeiten und Arbeitsinhalte werden individuell zwischen Haushaltsarbeiterin und Arbeitgeber geführt. (Lutz/ Heubach) Dies führt zu sehr unterschiedlichen Arbeitsbedingungen, selbst wenn der vereinbarte Stundenlohn meist gleich ist.
Die Studentin ohne Arbeitserlaubnis berichtete uns, sie arbeite hauptsächlich bei Freunden und Bekannten. Angefangen hat sie bei einem Freund, der sie dann weiterempfohlen hat, sie bekam 10 € die Stunde und äusserte sich über ihre Arbeitgeber fast durchweg positiv. Sie beschrieb sie uns gegenüber eher mit einer helfenden Funktion. Da sie sich selbst finanzierte, hätte es ihr sehr geholfen, dass sie bei Ihnen etwas Geld verdienen konnte.
Über eine Frau ohne gültigen Aufenthalt, die mit ihren 2 Kindern Zuflucht in einer sozialen Einrichtung gesucht hatte, wurde uns berichtet, wie schwer es ihr fiel, die Hilfe, die ihr während ihrem Aufenthalt entgegengebracht wurde, anzunehmen, ohne auch etwas zurückgeben zu können: „Das muss man erst mal aushalten“. Dass die Frau eine Putzstelle gefunden hat, in der sie irregulär arbeiten und eigenes Geld verdienen konnte, und damit wieder ein bisschen mehr Selbständigkeit zu erlangen, sei für diese sehr wichtig gewesen, berichtet uns die Sozialarbeiterin. „Ihr hat das total gut getan, ein bisschen etwas zu verdienen, nicht immer auf Spenden angewiesen zu sein.“

Wegen seiner Isoliertheit und Nichtöffentlichkeit ist dieser Bereich allerdings besonders anfällig für Arbeitsausbeutung und bietet wenig arbeitsrechtlichen Schutz. Es ist schwer, sich gegen gegen Anmassungen der Arbeitgeber zur Wehr zu setzen. Haushaltsarbeiterinnen befinden sich in einem sehr persönlichem, ungesicherten Arbeitsverhältnis, in dem keine Rechtssicherheiten bestehen im Falle nicht eingehaltener Vereinbarungen. Die Nichtöffentlichkeit birgt auch die Gefahr der sexuellen Belästigung, psychischen und physischen Nötigung, eine Anzeige aus einem illegalen Beschäftigungsverhältnis heraus ist unwahrscheinlich (vgl. Lutz/ Heubach). Zwar gab es auch schon ein paar wenige Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht, in dem illegal beschäftigte Haushaltsarbeiterinnen ihr Recht eingeklagt haben, doch ist die Hürde vor der Einleitung rechtlicher Schritte sehr groß aus Angst vor Strafe oder Abschiebung und den entstehenden Kosten. Zwischen den Arbeitgebern und den Haushaltsarbeiterinnen besteht somit keine Vertragsgleichheit. Während illegale geringfügige Beschäftigung in Privathaushalten eine Ordnungswidrigkeit darstellt, fallen potentielle Sanktionen für die Migrantinnen wesentlich härter aus (vgl Lutz). Sie müssen mit Abschiebung und einem Wiedereinreiseverbot rechnen.
Anzeichen für eine bewusste Organisation der Arbeitenden in diesem Bereich konnten wir kaum finden. Trotzdem kursiert unter ihnen – regional stark begrenzt – freilich Wissen über die Haushalte und die jeweiligen Arbeitsverhältnisse. Eine gewisse Macht ergibt sich für die ArbeiterInnen v.a. in kleineren Städten oft dadurch, dass sie die einzige Kontaktstelle zwischen den meist deutschen Mittelschichtfamilien und den potentiellen HaushaltsarbeiterInnen darstellen. Das heißt: Sie selbst können ihre Nachfolger oder HaushaltsarbeiterInnen an Nachbarn und Bekannte vermitteln. Für die Arbeitgeber kann es hingegen schwer sein, neue Angestellte zu finden, denen sie auf Anhieb vertrauen können. Endet ein Arbeitsverhältnis im Unfrieden, kann dies hohe Kosten für die Arbeitgeber bei der Suche nach einem Ersatz verursachen. Häufig greifen alle ihre Bekannten auf Haushaltshilfen zurück, die ebenfalls miteinander bekannt sind.

Wege der Unterstützung
Eine Berliner Beratungseinrichtung (vgl. Heubach) unternahm Versuche, Frauen, die in Haushalten irregulär arbeiten, über individuelle Beratung und Unterstützung zusammenzubringen. Zwar wurde die Initiative von den Frauen meist positiv aufgenommen, doch stellten sich in den Gesprächen verschiedene Hindernisse der Organisierung und der Teilnahme an regelmäßigen Treffen zum Erfahrungsaustausch heraus. Einige Frauen nannten als Grund, dass ihre Arbeit auf einem persönlichem Arbeitsverhältnis beruhe, dass demnach auch persönlich ausgehandelt werden müsse. Andere Frauen gaben an, sehr wenig Zeit zu haben, ihre spärliche Freizeit lieber mit der Familien und Freundinnen zu verbringen oder hatten als Pendlerinnen mit Lebensmittelpunkt im Herkunftsland einen so durchorganisierten Arbeitsaufenthalt in Deutschland, dass für derartige Treffen keine Zeit gewesen wäre.
Weiter schien auch die fehlende positive Identifizierung mit der Haushaltsarbeit, einer meist nicht den eigenen Qualifikationen entpsrechenden Arbeit mit geringem gesellschaftlichem Prestige, einer Organisierung als Haushaltsarbeiterinnen im Weg zu stehen. Die meisten Frauen sahen die Hausarbeit als Überbrückungszeit, auch wenn diese Zeit schon Jahre andauerte. Fehlenden Arbeits-/ Aufenthaltspapiere tragen dazu bei, nicht auffallen oder klagen zu wollen. Auch mangelnde Informationen und Unklarheiten über bestehende Rechtsansprüche hielten nach den Erfahrungen der Beratungsstelle die Frauen davon ab, Forderungen aus ihren erbrachten Leistungen zu stellen und verletzte Rechte einzuklagen. Schlechte Arbeitsbedingungen, Lohnbetrug oder sexuelle Belästigung seien von den Frauen, die in die Beratungsstelle kamen, häufig als schlechte Erfahrung verbucht worden und statt die Personen zu belangen, hätten die Frauen lieber eine neue Stelle gesucht. Auch hier wirken die Isolation und das Fehlen gemeinsamen Arbeitens sowie von Treffpunkten als Hindernis der Organisierung von Haushaltsarbeitinnen.
Um die Frauen in ihrer gesellschaftlichen Position und in ihrer Auseinandersetzung mit den Arbeitgebern zu stärken, wurde in der Beratung der Einrichtung ein unterstützender Ansatz verfolgt. Damit ist das Empowerment der Frauen durch Information, Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche und Lohnverhandlungen gemeint. Auf Wunsch der Betroffenen führte die Beratungsstelle Gespräche mit Arbeitgebern bei nichteingehaltenen Vereinbarungen, half bei der schriftlichen Formulierung von Lohnanforderungen oder vermittelte AnwältInnen für die Vertretung bei Prozessen vor dem Arbeitsgericht.

Der Ansatz, die betroffenen Frauen zu bestärken, damit sie unabhängig von ihren Arbeits-/ Aufenthaltspapieren Mindeststandards einfordern und sie dabei zu unterstützen, scheint sich als ein wesentlicher Punkt herauszukristallisieren. Auch für Haushaltsarbeiterinnen, die regulär in deutschen Haushalten beschäftigt sind, ist es wichtig, in der Aushandlung ihrer Arbeitsbedingungen Unterstützung zu bekommen, da auch die in legalen Anstellungen tätigen Frauen ähnliche Probleme erfahren.

Reguläre Haushaltshilfen
Nach den Regelungen zur Anstellung ausländischer Haushaltshilfen können Personen aus den neuen EU-Mitgiledsstaaten, mit denen Vermittlungsabsprachen bestehen (Bulgairen, Polen, Rumänien, Slowakische Republik, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn) in privaten Haushalten mit Pflegebedürftigen bis zu einer Dauer von 3 Jahren für hauswirtschaftliche Arbeiten beschäftigt werden. Die ausländische Haushaltshilfe soll dabei nicht zu ungünstigeren Arbeitsbedingungen als deutsche Arbeitnehmer beschäftigt werden, Arbeits- und Lohnbedingungen orientieren sich an den tariflichen oder ortsüblichen Bedingungen. (vgl. Vermittlung von Haushaltshilfen in Haushalte mit Pflegebedürftigen, Durchführungsanweisungen der Bundesagentur für Arbeit)
Nach Juliane Karakayali (vgl. Karakayali), die Interviews mit irregulären und regulär über das Arbeitsamt vermittelte Haushaltshilfen führte, habe die Legalisierung der Arbeitsverhältnisse die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Haushaltsarbeiterinnen nicht wesentlich verbessert. Zwar müssen die regulär arbeitenden Frauen nicht so viel Angst vor Entdeckung haben, dennoch sind sie nicht geschützt vor entgrenzten Arbeitszeiten, Lohnraub und Übergriffen. Aus Angst vor Entzug des regulären Status werden Verstöße gegen Vereinbarungen von Ihnen nicht gemeldet, eine andere reguläre Stelle zu finden sei nicht so leicht. Die Frauen verfügen formal zwar über Rechte aus dem legalen Arbeitsverhältnis, faktisch fehlt ihnen jedoch die Möglichkeit, diese einzuklagen, da sie oft nicht über die entsprechende Zeit oder Geld verfügen, und keine Strukturen hinter sich haben, die sie ermutigen und darin unterstützen gegen die Arbeitgeber vorzugehen.

Dabei gibt es durchaus Wege, sich zu wehren, auch für Frauen in nicht regulären Arbeitsverhältnissen. Schon das vehementere und selbstbewusstere Einfordern der Einhaltung von Vereinbarungen kann durchaus etwas zu Gunsten der Betrogenen bewegen. Einer Frau, mit der wir sprachen, die irregulär in Haushalten und Praxen putzte, wurden ausstehende Löhne nicht ausgezahlt, als sie Vertretung für eine Freundin gemacht hatte. Sie war zunächst sehr besorgt, das Geld nicht zu bekommen. Nachdem sie noch einmal schriftlich ihre Stunden berechnete, eine Zahlungsaufforderung verfasste und auf die Auszahlung beharrte, wurde es ihr doch gezahlt. Sie berichtete uns auch von einer Freundin, die ebenfalls im Haushalt arbeitete und der eine Familie mal einen Monat für die geleistete Arbeit kein Geld zahlen wollte. Nachdem die Familie vom Urlaub zurückkam, behaupteten sie einfach, die im vorherigen Monat verrichtete Arbeit sei schon gezahlt worden. Die Freundin hat lange argumentiert und gewartet. Nachdem sie der Familie dann gedroht hat, nicht wiederzukommen, hat die Familie gezahlt. Die Frau erklärte uns, es sei schließlich auch ein Aufwand, eine neue Putzkraft zu suchen, der man vertrauen kann:

„Wenn man damit droht, nicht wiederzukommen, bekommt man meistens sein Geld.“

Damit reguläre und irreguläre Haushaltshilfen an ihrem Arbeitsplatz vor Ausbeutung geschützt werden und ihre Rechte einklagen können, ist es sehr wichtig, sie in ihrer Position zu stärken und Unterstützertrukturen und Ressourcen auszubauen, auf die sie zurückgreifen können. Dies sollten auch Gewerkschaften als ihre Aufgabe betrachten.

Au-Pair
Offiziell als Kulturaustausch betrachtet und hauptsächlich für junge Frauen zu einer Migrationsstrategie geworden, nimmt auch das Au-Pair eine wichtige Funktion ein in der Organisation und Versorgung der Haushalte von Doppelverdienerfamilien und Alleinerziehenden in Deutschland. (vgl. Hess 2005)
Während nach der Bundesagentur für Arbeit ein Au-Pair-Aufenthalt junge Menschen ansprechen soll, „die als Gegenleistung für eine begrenzte Mitwirkung an den laufenden familiären Aufgaben (leichte Haushaltsarbeiten, Kinderbetreuung) in Familien aufgenommen werden, um insbesondere ihre Sprachkenntnisse zu vervollständigen und ihre Allgemeinbildung durch eine bessere Kenntnis des Gastlandes zu erweitern“ (Au-Pair-Info für deutsche Gastfamilien, Bundesagentur für Arbeit), stellen Au-Pairs für viele Familien eine günstige Haushaltshilfe dar, mit der für die Betreuung der Kinder und Haushaltsarbeiten gesorgt ist, z.B. ein fehlender Kitaplatz kompensiert wird.
Auch im Au-Pair-Verhältnis zeigen sich Schwierigkeiten der Abgrenzung. Die offizielle Definition als Kulturaustausch und die geringe Benennung des dahintersteckenden Arbeitsverhältnisses, und auch das Live-In Wohnen des Au-Pairs als fast schon Mitglied der Familie, macht das Arbeitsverhältnis unklar. Für die Au-Pairs wird es damit schwerer, sich bezüglich ihrer Aufgaben zu Positionieren, was als Tätigkeit gegen Lohn gilt oder wo aus Freundlichkeit mitgeholfen wird, es entstehen emotionale Beziehungen, vor allem zu den Kindern und Verantwortungsgefühle. (vgl. Hess 2007)

Die Nachfrage nach Au-Pairs ist groß, trotz der Begrenzung des Aufenthalts auf ein Jahr und daraus entstehender mangelnder Kontinuität des Personals in den Familien. Doch diese finden Wege, diese Einschränkung zu umgehen und weiterhin die Vorzüge einer billigen Haushaltshilfe zu geniessen. Eine junge Frau erzählte uns, nachdem ihr Au-Pair-Aufenthalt zu Ende ging, wäre sie auf den Vorschlag der Familie im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) ein weiteres Jahr bei der Familie angestellt worden.
Das FSJ ist ein Freiwilligendienst, der von jungen Menschen im zeitlichem Rahmen einer Vollzeitbeschäftigung in einer sozial- und gemeinwohlorientierten Einrichtung, z.B. der Wohlfahrtspflege oder Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe abgeleistet wird. Für ihren Dienst erhalten sie lediglich Unterkunft, Verpflegung und ein monatliches Taschengeld (vgl. §2 Gesetz zur Förderung eines freiwilligen sozialen Jahres). Für FSJler liegt die Attraktivität dieses Dienstes gewöhnlich in der Gelegenheit, sich persönlich und beruflich zu orientieren, sich im Arbeitsleben auszuprobieren und neue Erfahrungen zu sammeln. Idealerweise soll „eine Win-Win-Situation zwischen der oder dem Freiwilligen und der Einsatzstelle“ entstehen, „gegenseitiges Geben und Nehmen gilt als Maßstab“ für das Verhältnis. (Arbeitsgruppe „Möglichkeiten und Grenzen von Freiwilligendiensten“ -> http://www.bmfsfj.de/doku/jubilaeum-fsj-foej/protokolle/arbeitsgruppe2.htm)
Die Träger des FSJ, welche die Einsatzstellen koordinieren und für die pädagogische Begleitung des Jahres zuständig sind, stehen in der Verantwortung, die Einsatzstellen, in welchen der Freiwilligendienst abgeleistet wird, auf ihre gemeinwohlorientierte Ausrichtung zu überprüfen und sicherlich nicht darin, junge Frauen, unter dem Deckmantel eines FSJ, in Privathaushalte als billige Haushaltshilfe zu vermitteln. In diesem Fall hatte die Familie zusammen mit einem Träger des FSJ den Aufenthalt ihres Au-Pair-Mädchens verlängert, indem sie es in ein FSJ-Verhältnis umwandelten und weiterhin in ihrem Privathaushalt anstellten. Schon bei dem vorherigen Au-Pair-Mädchen dieser Familie wurde der Aufenthalt auf diesem Weg in Kooperation mit dem gleichen Träger ein Jahr verlängert. Das niedrige Taschengeld für eine Vollzeitbeschäftigung rechtfertigt sich in diesem Verhältnis weder durch die Gemeinwohlorientierung der Einsatzstelle, schließlich geht es hier um einen gewöhnlichen Privathaushalt, noch durch bürgerschaftliches Engagement, Möglichkeiten der beruflichen Orientierung oder Sammlung persönlicher Erfahrungen. Die Verrichtung der Arbeit (Kochen, Putzen, Kinderbetreuen) fand isoliert in einem Haushalt statt. Zwar wurde nun das Taschengeld für das Mädchen höher, da sie aber ab diesem Zeitpunkt die Fahrkarte selber zahlen musste, bekam sie etwa das gleiche Entgelt wie zuvor. Allerdings musste sie nun 8 Stunden die Woche mehr arbeiten, da ein FSJ-Vertrag eine Beschäftigung von ca. 38 Stunden vorsieht. Bezüglich der Arbeitszeiten waren die „Einsatzstelle“ und der Träger dann wieder ganz regelkonform. Die Situation der jungen Frau, wenig Möglichkeiten des legalen Aufenthalts in Deutschland zu haben, wurde hier ausgenutzt, um über einen Freiwilligendienst, der eigentlich zur Orientierung und Entwicklung junger Menschen und Förderung bürgerschaftlichen Engagements dienen soll, ein weiteres Jahr eine günstige informelle Haushaltsversorgung zu haben.
Die junge Frau äusserte sich zunächst positiv über ihre Gastfamilie, sie könne sich nicht beschweren, auch wenn die Arbeit nicht so toll wäre, sei sie relativ zufrieden. Sie schien sich aus dem über fast 2 Jahren gewachsenen persönlichen Verhältnis heraus zur Loyalität gegenüber der Familie verpflichtet und fand, dass sie im Vergleich zu ihren Au-Pair-Freundinnen froh sein könne. Ihre Familie schien sie auch immer wieder darauf hinzuweisen, dass sie es im Vergleich mit anderen Au-Pairs besser hätte, und erwarteten von ihr mehr oder weniger auch eine gewisse Dankbarkeit dafür, dass sie über das von Ihnen eingeleitete „FSJ“ ein weiteres Jahr in Deutschland sein konnte. Erst nach und nach äußerte sie ihre Unzufriedenheit. Zwar hatte sie mit der Familie feste Arbeitszeiten ausgemacht, doch war sie in ihren mehrstündigen Pausen über die Mittagszeit meist alleine mit den Kindern und konnte daher nicht frei über ihre Zeit verfügen, fühlte sich verpflichtet, im Haus zu bleiben. Sie hätte auch gerne eine andere Stelle gesucht, fühlte sich gegenüber der Kinder, die sie sehr gerne mochte, jedoch verantwortlich. Zwar könne sie nun besser deutsch, aber für den nun fast zweijährigen Aufenthalt sei das wenig. Es wird schwierig für sie, ihren Traum von einem Studium in Europa zu erfüllen. Geld zu sparen, um für zuhause etwas Kapital zu haben, hat nicht so funktioniert wie sie sich das vorgestellt hat. Von ihrem Herkunftsland aus, ohne zuvor je ausserhalb des Landes gewesen zu sein, kam ihr das versprochene Taschengeld sehr hoch vor. Doch ist der Lebensunterhalt hier viel teurer, als sie dachte.
Dann erzählte sie einige Geschichten von ihren Au-Pair-Freundinnen aus dem Deutschkurs, es würde ihr so vorkommen, als könnten sich Familien in Deutschland eine billige Haushaltskraft über das Au-Pair holen und würden dies ausnutzen. Eine Freundin, die in einer Au-Pair Familie lebte, mit der sie selbst verwandt war, sei sehr unter Druck gesetzt worden, viel zu arbeiten und weniger Aktivitäten außer Haus zu haben. Sie ging zu einem Freund, um diesem Druck zu entkommen. Daraufhin wurde sie sofort von der Familie bei der Ausländerbehörde angezeigt.

Nach den Informationsmaterialien über die Regelungen zum Au-Pair-Verhältnis für deutsche Gastfamilien
(vgl. http://www.arbeitsagentur.de/zentraler-Content/Veroeffentlichungen/Sonstiges/Au-pair-Info-fuer-dt-Gastfam.pdf) sind diese dazu verpflichtet, das Au-Pair in der Familie aufzunehmen, am täglichen Familienleben und gemeinsamen Mahlzeiten teilhaben zu lassen, ein Zimmer zur Verfügung zu stellen und ein monatliches Taschengeld in der Höhe von 260 Euro zu bezahlen. Die Arbeitsstunden sind so zu regeln, dass das Au-Pair an Kursen und Veranstaltungen zur Erweiterung der Sprachkenntnisse und der Allgemeinbildung teilnehmen kann. Die dafür entstehenden Kosten muss das Au-Pair allerdings selbst tragen. Mindestens ein voller freier Tag wöchentlich und mindestens vier freie Abende pro Woche stehen dem Au-Pair zu. Zulässig sind nur leichte Haushaltsarbeiten und Kinderbetreuung. In Deutschland beträgt die Höchstgrenze der Arbeitszeit täglich 6 Stunden und 30 Stunden wöchentlich. Die Kosten für die An- und Rückreise trägt das Au-Pair.
Immer wieder werden diese Regelungen nicht eingehalten. Ein Au-Pair, das wir trafen, hatte einen freien Tag die Woche, ansonsten ging ihr Arbeitstag von 7 Uhr morgens bis abends um 10 Uhr. Die mehrstündige Pause zwischendurch war sie meist alleine mit Kindern, daher stand sie gezwungenermaßen auf Abruf bereit und konnte nicht frei über ihre Zeit verfügen. Entgegen der Versprechungen ihrer Vermittlungsagentur im Herkunftsland, wurde ihr von der Familie kein Deutschkurs bezahlt. Mit der Frau des Hauses sollte sie trotz ihrer Ambitionen deutsch zu lernen, spanisch sprechen, damit die Frau ihre Fremdsprachenkenntnisse erweitern konnte. Die Familie zahlte ihr lediglich eine Mehrfahrtenkarte, weshalb sie versuchte, öffentliche Verkehrsmittel nicht so oft zu benutzen und zu Fuß weite Wege zurücklegte, um sich Fahrten zu sparen. In dem kleinen Ort gab es kaum kulturelle Veranstaltungen oder Freizeitmöglichkeiten, in den 3 Monaten ihres Aufenthaltes hatte sie kaum sozialen Kontakt gefunden und lebte abgesehen von der Familie recht isoliert. Über das Internet lernte sie eine Au-Pair aus der Nähe kennen, mit der sie sich an ihren freien Tagen traf. Diese bestärkte sie darin, sich bei ihrer Vermittlungsagentur zu beschweren und sich um eine neue Familie zu kümmern.

Austausch unter Au-Pairs
Der Austausch von Au-Pairs untereinander ist wichtig, damit sie andere Menschen in ähnlichen Situationen kennenlernen und sich gegenseitig beraten können. So können sie in ihrer Rolle in der Gastfamilie mehr Sicherheit erlangen, sich gegenseitig Tips geben und sich besser gegenüber ihrer Familie abgrenzen. Wichtig ist daher, dass in der Vermittlung von Au-Pairs auch Anschlüsse am Au-Pair-Netzwerke gegeben werden oder regelmäßige Au-Pair-Treffen organisiert werden, in denen die Au-Pairs Raum und Zeit für ihre Belange haben.
In einer Untersuchung wurde festgestellt, dass die Mädchen mehr Handlungssicherheit erlangten und anfingen, sich zu widersetzen, sobald sie die Tätigkeit für sich als Arbeit gegen Lohn definieren konnten. Au-Pair-Netze, in denen sich die Mädchen treffen und austauschen können, scheinen dabei zu helfen, sich klarer gegenüber der Familie abzugrenzen und klare Freizeit einzufordern. (vgl. Hess 2007)
Meist entsteht ein Au-Pair-Verhältnis über Au-Pair-Vermittlungsagenturen aus dem Herkunftsland und dem Empfängerland, bei denen sich die Interessierten melden. Mit der Liberalisierung der Regelungen zu Au-Pair-Vermittlungsagenturen 2002 ist es in Deutschland sehr einfach geworden, ein Zertifikat für diese Vermittlungstätigkeit zu erwerben. Die Qualität der Vermittlung und Betreuung von Au-Pairs lässt aufgrund der geringen Anforderungen an die Agenturen zu wünschen übrig, manche Agenturen fühlen sich nach der Vermittlung nicht verantwortlich für den weiteren Verlauf des Au-Pair-Aufenthalts. Um Missbrauch des Au-Pair-Verhältnisses vorzubeugen, wurde in Deutschland ein Gütezeichen für Vermittlungsagenturen entwickelt, mit dem sich die Agenturen, die dieses Zeichen tragen, dazu verpflichten, bei den Gastfamilien auf die Einhaltung von Arbeits- und Wohnstandards zu achten und den Au-Pairs und den Gastfamilien während des gesamten Aufenthalts mit Information und Beratung zur Verfügung zu stehen.(vgl. http://www.guetegemeinschaft-aupair.de/)
Doch auch bei Vermittlungsagenturen, die sich sehr verantwortlich für den Aufenthalt des Au-Pairs in der Gastfamilie fühlen und durchaus viel Zeit für die Betreuung aufwenden, ist zu beobachten, mit welcher Einstellung sie diese Arbeit angehen, welche Funktion sie dabei übernehmen und welche Auswirkungen dies für das Au-Pair-Verhältnis hat.
Unsere Gesprächspartnerinnen einer Au-Pair-Vermittlung berichteten uns, sie hätten sowohl bei den Au-Pair-Familien als auch bei den Au-Pairs „eine konsumierende, ausnützende, vom eigenen Bedarf ausgehende Haltung“ beobachtet und sahen es als ihre Hauptaufgabe, „zwischen den verschiedenen Bedürfnissen und Erwartungen und auch den unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen zu vermitteln, Aufmerksamkeit auf sich selbst und die anderen zu entwickeln.“ Im Gespräch wurde uns hauptsächlich die ausnützende Haltung der Au-Pairs erläutert, sie hätten hohe Erwartungen und eine Anspruchshaltung gegenüber den Gastfamilien, würden sich im Haus bedienen und die Heizung auf Hochtouren laufen lassen, auch wenn in ihrem Herkunftsland die meisten Häuser nichteinmal eine Heizung hätten (implizit meinten die Mitarbeiter der Agentur damit, die Au-Pairs könnten ruhig ein Bischen frieren, weil sie das ja gewohnt seien). Für Mädchen aus wärmeren Gefilden gab es dafür Verständnis („Afrikaner brauchen allerdings – mindestens in der Angewöhnungszeit – genug Wärme. Sonst werden sie krank“). Mehrmals wurde im Gespräch mit den schlechteren Bedingungen im Herkunftsland der Au-Pairs der Anspruch auf in Deutschland übliche Standards in Deutschland als sehr hoch interpretiert und schlechtere Bedingungen für sie damit gerechtfertigt.

„Wenn wir die Chancen anschauen, die die Leute in Russland haben. Man muss das im Vergleich sehen: Die Alternative wäre arbeitslos in der Ukraine“

Da mehrere Au-Pairs schlagartig ihre Gast-Familien verlassen hatten und nicht mehr aufgetaucht sind, riet die Agentur den Familien, den Au-Pairs den Lohn auf zweimal im Monat verteilt zu zahlen und nicht zuviel im Vorschuss zu geben. Auch Leistungen, welche die Familien erbringen müssten, sollten zunächst von den Au-Pairs selbst bezahlt werden, um sie zu binden. Ihrer Meinung nach gäbe es viel Entgegenkommen von Seiten der Familien, wofür sie nichts zurückbekämen. Wenn die Au-Pairs weg sind, könne man nichts mehr zurückholen.

Als ein ihrem Verständnis nach positives Beispiel des „Gebens und Nehmens“ nannten sie den Fall eines Mädchens, das nach ihrem Au-Pair-Aufenthalt im Rahmen eines Sprachlernvisums in Deutschland blieb. Den dafür nötigen Wohnungsnachweis und eine Bürgschaft bekam sie von der Familie, in der sie gelebt und gearbeitet hatte. Die Familie bürgte nach Aussage unserer Gesprächspartnerinnen für das Au-Pair, da deren Arbeit gut war. Sie hatte deutlich über den Rahmen des Au-Pairs hinausgearbeitet:

„Es war eine weise Entscheidung, über 30 Stunden zu arbeiten, wer das nicht tut, versaut sich einiges. Man muss halt ein Bischen über den Arbeitstag hinausschauen.“

Das Mädchen kam, nachdem sie eine Stelle gefunden hatte, zum Au-Pair treffen und berichtete den anderen, als „eine die es geschafft hatte“, ihren Aufenthalt in Deutschland zu erweitern, dass sie 50-60 Stunden in der Woche gearbeitet hätte, ohne sich ausgebeutet zu fühlen. Unsere Gesprächspartnerinnen sind der Meinung, die genannten Arbeitszeiten seien schließlich oft „gefühlte Zeiten, subjektiv“ die nicht unbedingt dem entsprechen, was die Familien als Arbeitszeit wahrnähmen.
Über dieses Mädchen verströmten sie so etwas wie stolz, die hat das gut gemacht.

„Ein Au-Pair muss mutig sein. Sie muss wissen, wann sie reden kann und wann sie besser ruhig ist. Diese hatte die Diplomatie gelernt.“

Das Vorgehen eines Mädchens, dass die Au-Pair Familie wechselte und beim Kennenlerngespräch mit der neuen Familie sogleich feste Arbeitszeiten, freie Tage und Urlaub klarstellen wollte, entrüstete die Vermittlerinnen.
Die BetreiberInnen der Vermittlungsagentur scheinen sich trotz ihres großen Engagements in der Betreuung des Au-Pair-Aufenthalts nicht für die Einhaltung der Arbeitszeiten zu interessieren, kritisieren sogar, wenn ein Mädchen vor dem Antritt einer neuen Stelle diese klar verhandelt haben möchte. Sie heißen das unverhältnismäßig hohe Arbeitsmaß gut, indem sie es positiv umdeuten in „Fleiß“ und „gute Arbeit“. Den Fall eines Mädchens, das 50-60 Stunden im Haushalt einer Familie gegen das spärliche Au-Pair Taschengeld gearbeitet hat, die Bürgschaften der Familie bekommt um für ein Sprachlernvisum dazubleiben und dann weiterhin im Haushalt wohnt und arbeitet, scheint eher ein Ergebnis von Verhandlungen zwischen ungleich mächtigen Personen zu sein, denn als von einem „Geben und Nehmen“.