Über Uns

Die Studiengruppe AUS DEM SCHATTEN beschäftigt sich seit dem Sommer 2007 mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen Illegalisierter im Großraum Stuttgart. Inspiriert von den Arbeitskämpfen von Sans Papiers in anderen Ländern, von solidarischen Kampagnen gegen Lohnraub und von gewerkschaftlichen Initiativen, sich mit diesem Thema zu konfrontieren, haben wir dutzende Interviews mit Menschen mit prekärem Aufenthaltsstatus, ihren Unterstützern und auch ihren Arbeitgebern geführt. Wir haben Kontakt mit Migrantenvereinen, kirchlichen und städtischen Stellen gesucht und gefunden.

Wir sind gerade dabei, die Ergebnisse unserer Recherchen in einer ausführlichen Studie zusammen zu fassen.

Wir haben außerdem einige Fälle betreut und möchten manchen von diesen auch ein Gesicht geben.

Aus unseren Recherchen ist eine umfangreiche, kommentierte Linkliste hervorgegangen, die wir hiermit zugänglich machen wollen.

Einige unserer Ergebnisse haben wir bereits auf Veranstaltungen vorgestellt. Weitere solche Veranstaltungen sollen folgen – auch um zu einer besseren Vernetzung beizutragen.

Außerdem finden sich auf dieser Seite ausgewählte Materialien für eigene Recherchen.

Bei all dem wurden wir großzügig von der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützt.

http://www.afro-hesse.de/

Warum “Aus dem Schatten”?
Maurizio Ambrosinis (1999) Studie über MigrantInnen in informellen Arbeitsverhältnissen im Großraum Mailand trägt den Titel “Arbeiten im Schatten” und verweist am Ende auf deren Funktionalität innerhalb der italienischen Wirtschaft und Gesellschaft: sinkende Arbeitskosten, steigende Konkurrenz unter den Arbeitenden, ein steigendes Angebot an häuslichen Dienstleistungen und dadurch die Beförderung von Einkommensmodellen, in denen beide Elternteile erwerbstätig sind. Eine Bahn brechende Kritik der Forschung zu illegaler Migration von Guiseppe Sciortino (2004) trägt den Titel “Between Phantoms and Necessary Evils” – “Zwischen Phantomen und notwendigem Übel” – und stellt einerseits klar, dass die MigrantInnen als Arbeitskräfte einerseits erwünscht sind, ihre “Illegalität” sich andererseits aber durch gesetzliche Regelungen – und zwar keineswegs als Unfall – ergibt. Im Herbst 2006 kamen verschiedene österreichische Spitzenpolitiker in die Presse, weil ihnen die Beschäftigung illegalisierter MigrantInnen für die Pflege ihrer Eltern vorgeworfen wurde. Wirtschaftsminister Bartenstein äußerte daraufhin, dass es in Österreich ohne diese illegalen Pflegekräfte zumindest kurzfristig nicht ginge. Nun will Österreich mit einem Moratorium reagieren, d.h. einem Beschluss, dass die Beschäftigung Illegaler in der Pflege für einen gewissen Zeitraum im Normalfall nicht verfolgt wird. Die Menschen aber, von deren Arbeitskraft die österreichische Oberschicht abhängig ist, bleiben illegal, von sozialen und politischen Rechten ausgeschlossen und an ihren Arbeitsplatz gebunden. So entstehen Segmente des Arbeitsmarktes, in dem Zustände herrschen, die an Sklaverei erinnern.
Kurz gesagt ergibt sich eine Situation, in der Menschen als wirtschaftlich notwendige Arbeitskräfte gesehen, per Gesetzen und Dekreten jedoch von politischen und sozialen Rechten ausgeschlossen und damit wirtschaftlich und gesellschaftlich ausgegrenzt werden. Auch die deutsche Migrationspolitik wirft in dieser Weise auf einen Teil der ansässigen Bevölkerung einen Schatten, der ihn noch leichter ausbeutbar macht.
Doch diese Menschen wehren sich und wie in allen Ländern gibt es auch in Deutschland Kämpfe Papierloser um soziale Rechte und Anerkennung. Netzwerke von MigrantInnen sowie Solidaritäts- und Menschenrechtsgruppen stellen die Biographien von MigrantInnen als kontinuierliche und bewusste Aneignungspraxen dar. Über Arbeitskämpfe, wie sie in anderen europäischen Ländern oft auch von Illegalisierten und mit bisweilen tatkräftiger Unterstützung großer Gewerkschaften geführt werden, ist in Deutschland wenig bekannt. Illegalisierte werden hier meist entweder als Kriminelle oder aber als machtlose Opfer dargestellt.
Wir möchten der Frage auf den Grund gehen, warum hier zwar viel über illegalisierte MigrantInnen berichtet, theoretisiert und gesprochen wird, sie aber so wenig selbst zu Wort kommen und einen Versuch unternehmen, dies zu ändern. Wir gehen davon aus, dass solidarische Kämpfe um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen auch hier stattfinden und möchten herausfinden, welche Formen sie haben und warum sie ohne Öffentlichkeit ablaufen.